Dummgeschwätz des Tages

Auf Wikileaks werden nach Gutsherrenart von einem paranoiden und allzeit fickbereiten Australier „geheime“ Dokumente veröffentlicht, deren Inhalte zwar nicht im Wortlaut bekannt sind, dennoch keine wirklich neuen Erkenntnisse bringen. Alle Welt weiß, daß Sarkozi „dünnhäutig und autoritär“ und Berlusconi „inkompetent und aufgeblasen“ ist. Und so weiter. Diplomatengefasel.

Jetzt kommt aber der großeKracher. Die FAZ meint ganz aufgeregt, Wikileaks sei dafür verantwortlich, daß in Tunsien gerade eine Revolution im Gange ist. Und zwar weil die Botschafterdepeschen jetzt im Internet stehen! Und diese Depeschen beschreiben, wie die Präsidentenfamilie in Saus und Braus lebt. Aha. Wikileaks, das ganz dolle neue Internetdemokratieding stürzt also jetzt schon Regierungen.

Auch wenn es in arabischen Ländern völlig normal ist, daß die Behaupter (seien es nun Könige, Scheichs, Warlords oder Präsidenten) einen ihrer Position angemessenen Lebensstil zelebrieren, den wir in den Tausendundeinenachtmärchen beneiden. Also juckt es keinen Tunesier, wenn der Präsident ein paar Dollars für sich abzweigt. Und dann ist da noch die Sache mit dem Lesen. Wer gheime Botschaftedepeschen lesen will, muss überhaupt erst mal lesen können. Ein Viertel der Tunesier können das gar nicht. Wie viele von dem Rest Englisch verstehen? Keine Ahnung. Wenige. Und dann braucht man ja noch einen Internetanschluss. Von den 10 Millionen Tunesieren haben gerade mal 3 Millionen einen Internetanschluss.